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Freitag, 18.03.2022

Verabschiedung von Norbert Boom

Nach über 30 Jahren Tätigkeit für die Stadthalle - ein Interview

Konzerte mit Popstars, Politdiskussion, Grüner Abend oder Vogelausstellung - Norbert Boom war fast immer dabei. Über 30 Jahre war er als Hausmeister die „gute Seele“ der Stadthalle Ahaus. Mit dem Abschied in die wohlverdiente Rente geht auch so etwas wie eine Ära zu Ende. Am 17. März wurde er offiziell verabschiedet. In einem Interview erzählt Norbert Boom aus seinem Berufsleben.

 

Schon die alte Stadthalle wurde einmal als „steingewordene Geschichte der Stadt Ahaus“ bezeichnet. 2017 wurde dann die neue Stadthalle im Kulturquadrat eröffnet. Welche Ereignisse und Veranstaltungen sind dir aus deinen Berufsjahren besonders in Erinnerung geblieben?

Für mich waren Veranstaltungen immer wie kleine, in sich abgeschlossene, Projekte. Jedes Event war anders, hatte es aber dennoch verdient, dass ich mich voll und ganz darauf konzentriert habe.

Natürlich sind mir dennoch einige Veranstaltungen besonders in Erinnerung geblieben. Absolutes Highlight waren wohl die Konzerte der Sängerin Anastacia in der neuen Stadthalle. Planung, Aufbau, Bühnentechnik, Sicherheit und Catering waren besonders herausfordernd und extrem spannend. Aber auch andere Stars oder Persönlichkeiten zu erleben war interessant, wenn auch manchmal extravagant. Von der weißen Couch in der Garderobe über frischen Ingwer bis hin zu einer bestimmten Sorte Brot - gemeinsam mit dem Caterer haben wir viel möglich gemacht und so gut es geht, Sonderwünsche erfüllt.

Auch die Weihnachtskonzerte des Musikvereins Ahaus sind mir gut in Erinnerung. In kurzer Zeit verwandelten die Mitglieder des Musikvereins die Stadthalle in ein Weihnachtswunderland und verzauberten die Zuhörerinnen und Zuhörer immer wieder aufs Neue.

An die Termine rund um das BZA in den 90er Jahren erinnere ich mich ebenso deutlich. Dieses wichtige Thema, das die Zukunft der Stadt beeinflusste, bleibt natürlich im Gedächtnis. In den letzten Jahren hat dann Corona unser Arbeitsleben bestimmt. Gerade für die Veranstaltungsbranche war und ist es ein Auf und Ab. Aber ich merke, dass sowohl Künstler als auch Gäste einfach nur froh sind, dass überhaupt wieder etwas „Leben in der Bude ist“.

 

In über 30 Jahren Arbeit rund um die Stadthalle hast du viel erlebt. Gibt es Anekdoten, die dich im Nachhinein zum Schmunzeln bringen?

In den Zeiten der alten Stadthalle war ich auch als Hausmeister für die Bernsmannskampschule tätig. Wenn ich da morgens meine Runde gemacht habe, gab es immer einige Schüler, die mich unterstützt haben. Den kindlichen Eifer und die Hilfsbereitschaft werde ich nie vergessen.

Unvergessen auch Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., der auf der Suche nach dem Restaurant eine falsche Tür erwischte und etwas verloren im Foyer der Stadthalle stand - selbstverständlich habe ich ihm den richtigen Weg gezeigt. Manche erinnern sich vielleicht noch daran, dass auf der Speisekarte des Restaurants ein „Ratzinger-Teller“ angeboten wurde.

Besonders in Erinnerung bleiben wird mir ein Urlaubstag kurz vor Ostern in den 90er Jahren. Bei schönstem Wetter war ich gerade im Garten beschäftigt, als ein Anruf kam: „Norbert, wir kommen nicht in die Stadthalle. Was ist da los?“ Ich hatte eine Jägerprüfung vergessen! Zum Glück ist das nur einmal vorgekommen. Also rauf aufs Fahrrad, ab zur Stadthalle und schnell alles hergerichtet. Die angehenden Jäger haben es mit Humor genommen und ich kann im Nachhinein darüber lachen.

 

Mit dem Neubau und der Eröffnung der Stadthalle 2017 hat sich auch die „Nachbarschaft“ neu gestaltet: Die Stadtbibliothek, die Musikschule und das aktuelle Forum Volkshochschule bilden die neuen Eckpunkte des Kulturquadrats Ahaus. Wie hat das deine Arbeit verändert?

Vor dem Umbau war ich von der ersten Planung bis zum Ende der Veranstaltung für alles alleine verantwortlich. Die Technik in der neuen Stadthalle ist natürlich wesentlich besser und hochwertiger als in der alten Halle. Wir haben ganz andere Möglichkeiten, die von den Künstlerinnen und Künstlern auch gerne genutzt werden. Durch die Größe der Halle (früher 550 Sitzplätze, heute 728 Sitzplätze) sind aber auch andere Aufgaben auf uns zugekommen. Mit dem Neubau stehen mir Kollegen zur Seite. Alleine würde man der Ausstattung der Halle nicht gerecht werden. Licht und Ton, Gebäudeleittechnik, Heizung und Lüftung, Bestuhlung, Brandschutz, Inneneinrichtung - langweilig ist es nie. Innerhalb des Kulturquadrats haben wir engen Kontakt zu Musikschule, Stadtbibliothek und VHS und helfen uns gegenseitig aus.

 

Gebäude, Technik, Aufgaben und sogar eine Pandemie - in deinen Arbeitsjahrzehnten gab es immer wieder große Veränderungen. Hat sich auch das Publikum verändert?

Im Großen und Ganzen war das Publikum immer unkompliziert und dankbar. Wir machen vieles möglich und sind darauf bedacht, dass sich alle in der Stadthalle wohlfühlen. Man kann allerdings schon feststellen, dass die Gäste anspruchsvoller werden und auch öfter mal gemeckert wird. Gerade jetzt, wo in der Pandemie wieder Lockerungen anstehen und auch wieder mehr angeboten wird, haben wir manchmal den Eindruck, dass die Leute erst wieder lernen müssen, wie man ins Theater geht. Jacken und Getränke werden nicht mit in den Saal genommen. Eine einfache Regel, die früher selbstverständlich war, wird heute oft in Frage gestellt. Aber auch das wird sich mit der Zeit wieder einspielen. Die Zeiten sind ja im Moment für alle nicht einfach.

 

Dein Alltag war über 30 Jahre lang von den Events in der Stadthalle bestimmt. Oft bist du während privater Veranstaltungen kurz verschwunden, um Türen auf- oder abzuschließen und hast deinen Urlaub nach dem Veranstaltungskalender in Ahaus geplant. Nun gehst du in den wohlverdienten Ruhestand und hast viel weniger Termindruck. Auf was freust du dich in der kommenden Zeit am meisten?

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Arbeit in der Stadthalle hat mein Leben geprägt und war immer spannend und abwechslungsreich. Allerdings freue ich mich darauf, einfach mal keine festen Termine zu haben und die Tage langsam angehen zu lassen - eine Stunde länger schlafen, ein Buch lesen oder auch spontan mit meiner Frau kleine Reisen unternehmen.

Ich werde mich allerdings nicht langweilen. Meine 10 Enkelkinder, Gartenarbeit oder auch Radtouren und Aktivitäten mit dem Stammtisch oder der Ehrenabteilung Feuerwehr werden zukünftig meinen Alltag ausmachen. Aber ich bin mir sicher, dass ich hin und wieder auch mal in der Stadthalle zu sehen bin, dann allerdings als Gast oder zu Besuch bei den Kollegen.

Lieber Norbert, danke für das Interview! Wir wünschen dir alles Gute für diesen neuen Lebensabschnitt.

Norbert Boom in der Stadthalle
Offizielle Verabschiedung von Norbert Boom