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Freitag, 18.02.2022

Holocaust-Opfer aus Ahaus

Erinnerung an die jüdische Familie Cohen (Hochstraße)

Die jüdische Familie Cohen wohnte an der Hochstraße (heute Wallstraße). An den Vater Moritz, der im Ghetto in Riga ermordet wurde, den Sohn Ernst, der kurz nach seiner Befreiung an den Haftfolgen starb und an die überlebenden Töchter Marga und Miriam Cohen erinnern heute noch vier Stolpersteine.
Der VHS-Arbeitskreis Ahauser Geschichte 1933-1945 beteiligt sich gemeinsam mit Stadtarchivar Max Pfeiffer am Projekt „Stolpersteine NRW“ des WDR und erinnert regelmäßig an jüdischer Ahauser Familien, die Opfer des Holocaust wurden. Im Rahmen dieses Projektes wird die Familie Cohen näher vorgestellt und an sie erinnert.
Moritz und seine Frau Gertrud Cohen lebten mit ihren Kindern an der Hochstraße (heute Wallstraße). Gertrud Cohen verstarb vor genau 85 Jahren am 8. Februar 1937 mit 38 Jahren und bekam den letzten von 57 Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof. Ihr Mann Moritz (geb. 1878) hatte noch zu Beginn der 1930er Jahre an der Hochstraße 2 (heute Parkplatz Wallstraße) ein Haus mit Geschäft gebaut, in dem Damenhüte und Putzwaren verkauft wurden. Nachdem sein älterer Bruder Julius 1929 verstorben war, führte er mit seiner verwitweten Schwägerin Emilie bis 1935 auch deren Bekleidungshaus an der Wüllener Straße weiter.
Moritz Cohen stammte aus einer seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Ahaus ansässigen jüdischen Familie, von der heute zehn Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof zu finden sind. Anfang der 1920er Jahre heiratete er die 20 Jahre jüngere Gertrud Schönbach aus Altena, mit der er drei Kinder hatte: Marga (geb. 1923), Ernst (geb. 1927) und Miriam (geb. 1929). Als deren Mutter 1937 starb, waren sie erst 14, 10 und acht Jahre alt. Während Miriam und Ernst die Volksschulen (Wallschule und Bernsmannskampschule) in Ahaus besuchten und Ernst unter den Schlägen seiner Mitschüler zu leiden hatte, erlebte Marga eine relativ behütete Schulzeit an der „Höheren Töchterschule“ des Canisiusstifts, wovon zwei Klassenfotos Zeugnis geben.
Mit seinen Kindern und seiner unverheirateten Schwester Frieda blieb Moritz Cohen in Ahaus, während seiner Schwägerin Emilie und deren Herkunftsfamilie Gumpert Ende 1939 die Flucht nach Chile gelang. Die Cohens wurden mit anderen Ahauser Familien am 10.12.1941 über Münster ins Ghetto Riga deportiert. Dort wurde der 66-jährige Moritz Cohen 1944 erschossen, während seine Kinder im gleichen Jahr noch über die Ostsee ins KZ Stutthof gebracht wurden, wo Ernst kurz vor oder nach der Befreiung im Frühjahr 1945 mit 17 Jahren an den Folgen der Lagerhaft starb.
Marga und Miriam überlebten das KZ und den „Todesmarsch“ der Häftlinge – in ihren späteren Erinnerungen beschreibt Miriam, wie sie als 15-Jährige mehrfach von ihrer sechs Jahre älteren Schwester vor dem Erfrieren, Verhungern oder Erschossen werden gerettet wurde. Beide kehrten danach für ein Jahr nach Ahaus zurück, emigrieren aber 1947 in die USA, wo Marga möglicherweise heute noch lebt. Miriam Cohen zog nach Israel, heiratete und bekam Kinder – im Alter von 61 Jahren starb sie. Am Grabstein der Mutter in Ahaus, den Marga bis vor 15 Jahren noch regelmäßig besuchte, ließ sie eine Gedenkplatte mit Namen und Daten ihrer Familie anbringen. Nur das Feld für sie selber ist noch frei. Kontakt zu Ahausern, auch zu Schülerinnen und Schülern, die ihr schrieben, hat sie gemieden.

 

Moritz Cohen
Grabstein Gertrud Cohen
Ernst Cohen
Marga Cohen
Miriam Cohen
Stolpersteine für die Familie Cohen