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Freitag, 11.03.2022

Erinnerung an die jüdische Familie Gumpert

Projekt „Stolpersteine NRW“

Die jüdische Familie Gumpert wohnte in einem zweistöckigen Haus an der Wüllener Straße 7 - heute am Kreisverkehr/Wallstraße. Die Familie Gumpert ist die einzige jüdische Familie aus Ahaus, in der über 10 Mitglieder durch Flucht ins Ausland überlebten, die Tanten Regina und Frieda wurden in Ausschwitz ermordet. An die Familie erinnert das Projekt „Stolpersteine NRW“ des WDR, an dem sich der VHS-Arbeitskreis Ahauser Geschichte 1933-1945 gemeinsam mit Stadtarchivar Max Pfeiffer beteiligt.

Der am 30. März 1925 (vor 97 Jahren) geborene Werner Gumpert war der Sohn des jüdischen Viehhändlers Moses Gumpert und seiner Frau Ilse, geb. Mendel, die in einem zweistöckigen Haus an der Wüllener Straße 7 - heute am Kreisverkehr/Wallstraße – in Ahaus wohnten. Mit im Haus lebten auch Werners Schwester Lore, sein Onkel Samuel, die Tante Johanna, und (bis 1929) auch die Großmutter Friederika, geb Wolff aus Südlohn. Weitere Verwandte waren in Ahaus, Vreden, Aurich, Jever und Hengelo/NL verheiratet. Sein Onkel David war bereits 1916 im 1. Weltkrieg als Soldat des deutschen Reiches gefallen.

Werner Gumpert war von 1935 bis zur zwangsweisen Entlassung am 14.11.1938 Schüler der Rektoratschule Ahaus (eine Art Progymnasium bis zum 10. Schuljahr). Noch im April 1938 hatte Werner die Barmizwa (Fest der religiösen Volljährigkeit) in der Ahauser Synagoge feiern können und musste dann erleben, wie in der Pogromnacht vom 9./10. November1938 die Synagoge niedergebrannt und seine Tanten Johanna und Frieda schwer misshandelt wurden. Diese Ereignisse hat Werner Gumpert nie verwunden, was er auch bei einem Besuch in Ahaus 1991 deutlich machte. Im Jahre 1939 musste die Familie das Haus unter Wert verkaufen und Zwangsabgaben ans Finanzamt abführen. Ende November 1939 gelang es ihnen mit mehreren Verwandten auf einem Schiff ab Genua nach Chile zu entkommen, wo sie in der Neujahrsnacht 1939/40 ankamen. Zwei der Familienmitglieder überlebten die strapaziöse Überfahrt nicht.

Nach Aufenthalten in Flüchtlingslagern bewirtschaftete Werner mit seiner Frau Ruth einen landwirtschaftlichen Betrieb. Während der Pinochet-Diktatur Anfang der 1970er Jahre musste er kurzzeitig das Land verlassen, bevor er mit seiner Frau 1991 einmal den Weg nach Ahaus fand. Der Kontakt zu Werner Gumpert, der Kinder und Enkel hatte, brach in den 1990er Jahren ab. Er soll 2006 oder 2007 gestorben sein, wurde also über 80 Jahre alt. Über den Verbleib seiner Eltern und seiner Schwester Lore ist nichts bekannt. Die Familie Gumpert ist die einzige jüdische Familie aus Ahaus, in der über 10 Mitglieder durch Flucht ins Ausland überlebten. Nur Werners Tanten Regina und Frieda, die in Hengelo/NL wohnten, wurden in Auschwitz ermordet. Für sie liegen zwei Stolpersteine in Ahaus. Mehr als zehn Vorfahren und Verwandte der seit Ende des 18. Jhdts. in Ahaus ansässigen Familie Gumpert haben Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof – der älteste gehört dem 1844 verstorbenen Aser Gumpert, dem Ururgroßvater von Werner.