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Freitag, 17.01.2020

Stolpersteingang, Baumpflanzung, Ausstellung und Lesungen

„Freiheit und Versöhnung“ – Gedenkveranstaltungen anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung

Vor etwa 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg. Dieser Jahrestag ist in 2020 Anlass für Gedenkveranstaltungen in vielen Ländern. Auch in den Niederlanden wird landesweit der Befreiung von der deutschen Besatzung gedacht. In der Ahauser Partnergemeinde Haaksbergen haben die Initiatoren bewusst das Motto „Freiheit und Versöhnung“ gewählt und die Stadt Ahaus eingeladen, verschiedene Projekte gemeinsam mit ihr zu realisieren. „Wir freuen uns sehr, dass wir zusammen mit unseren niederländischen Freunden diesen besonderen Jahrestag begehen und so ein gemeinsames Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen können“, so Beigeordneter Werner Leuker. „Wichtig erscheint uns auch, dass das damals erfolgte Unrecht und Geschehene nicht in Vergessenheit geraten, verharmlost oder gar geleugnet werden darf. Deshalb sollen ausdrücklich auch junge Menschen  angesprochen und durch Berichte einer noch lebenden Zeitzeugin über eine Welt zu erfahren, die vergangen ist, aber nicht vergessen werden darf.“
Als erste Veranstaltung findet am Sonntag, 26. Januar um 14:30 Uhr ein öffentlicher Stolpersteingang in Ahaus statt. Treffpunkt ist das Foyer im Rathaus. Nach einer kurzen Einführung in das Thema wird Hermann Löhring vom VHS Arbeitskreis Ahauser Geschichte 1933-1945 die Besucherinnen und Besucher bei einem ca. zweistündigen Rundgang über die in die Niederlande geflüchteten und in Auschwitz ermordeten Ahauserinnen und Ahauser berichten.

Am Montag, 27. Januar ist der Tag der Auschwitz-Befreiung. Vor diesem besonderen Hintergrund wird an diesem Tag sowohl in Ahaus als auch in der Partnergemeinde Haaksbergen ein Anne-Frank-Baum gepflanzt. Dieser Baum ist ein Ableger einer Rosskastanie, die das junge jüdische Mädchen Anne Frank aus ihrem Versteck in einem Hinterhaus in Amsterdam sehen konnte und die ihr und auch ihre Familie während der Besatzung der Niederlande durch die deutschen Truppen Trost und Hoffnung spendete. Im Jahr 2010 fiel dieser Baum einem Sturm zum Opfer. Als Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus wird in Ahaus an der Gedenkstätte für die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung auf dem Sümmermannplatz am Schloss um 10.00 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde ein Ableger dieses Anne Frank-Baumes gepflanzt. Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Realschule aus Ahaus werden die Baumpflanzung in Ahaus mit Texten und Liedern begleiten. Daran anschließend folgt die Pflanzung in Haaksbergen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind zu allen Veranstaltungen ganz herzlich eingeladen.

Vom 28. Januar bis 10. Februar 2020 ist im Rathaus der Stadt Ahaus eine öffentliche Ausstellung über Johanna Reiss, geb. Annie de Leeuw, die niederländisch-amerikanische Autorin des sehr bekannten Buches „Und im Fenster der Himmel“, zu sehen. Im Mittelpunkt des Romans stehen die Erinnerungen an eine jüdische Kindheit, die eigentlich gar keine ist, denn sie ist bedroht von Verfolgung und Deportation, von Einschränkungen und Rechtlosigkeit und dem Auseinanderreißen gewohnter und gewachsener Familienbeziehungen. Annie de Leeuw aus Winterswijk musste während des 2. Weltkrieges als junges jüdisches Mädchen untertauchen, um zu überleben.  Sie und ihre Schwester Sini waren fast drei Jahre im niederländischen Usselo, heute Enschede,  versteckt. Ein umgebauter Wandschrank im Haus der Familie Osterveld diente als Notversteck.
In Vorbereitung auf das Treffen mit Johanna Reis befassen sich schon seit einiger Zeit zahlreiche Schülerinnen und Schüler Ahauser Schulen mit diesem Buch. Das Berufskolleg Technik in Ahaus hat  eigens für diese Ausstellung den damals von Johanna Reis und ihrer Schwester Sina als Versteck genutzten Wandschrank nachgebaut und wird ihn in der Ausstellung präsentieren.
Johanna Reiss lebt heute in New York. Für die Ausstellungseröffnung am 28. Januar sowie einigen Lesungen in Ahaus wird Frau Reiss nach Ahaus kommen. Sie wird als Zeitzeugin ihre Erlebnisse als jüdisches Mädchen während der Verfolgung schildern. Ihr leidenschaftlicher Appell für den Frieden ist gerade vor dem Hintergrund der jüngeren Ereignisse in Europa und den USA von besonderer Bedeutung. Zudem wird es im Rathaus eine weitere Ausstellung geben, dessen Geschichte gewisse Parallelen zum Leben von Johanna Reiss aufzeigt. Darin wird die Jüdin Marga de Jong aus Ahaus im Mittelpunkt stehen, die nach der Flucht ihrer Familie in die Niederlande bei Aalten (bei Winterswijk) die NS-Verfolgung ebenfalls überlebte. Hier werden neueste Rechercheergebnisse gezeigt.

Für viele Schülerinnen und Schüler aus Ahaus und auch aus Haaksbergen werden außerdem Lesungen mit Johanna Reiss stattfinden. Es gibt zusätzlich eine öffentliche Lesung am Mittwoch, 5. Februar um 19:30 Uhr im Fürstensaal des Schlosses. Hierzu sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger schon jetzt herzlich eingeladen. Interessierte können sich persönlich oder telefonisch ab sofort im Rathaus an der Zentrale im Foyer anmelden (Tel. 02561/72-0). Die Platzzahl ist begrenzt.

Anne Frank © Photo collection Anne Frank House, Amsterdam

Marga de Jong