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Freitag, 22.05.2020

Coronakrise: Spitzen von Kreis und Kommunen fordern Nachbesserung für Gastronomie und Hotellerie

Bürgermeisterin Voß unterstützt Brandbrief an Wirtschafts- und Arbeitsminister in Bund und Land NRW

Erneut wenden sich die Spitzen des Kreises Borken und der kreisangehörigen Städte und Gemeinden mit einem dringlichen Appell an Bund und Land NRW. In ihrem gemeinsamen Schreiben an die Wirtschaftsminister von Bund und Land NRW, Peter Altmaier und Prof. Dr. Andreas Pinkwart, sowie die Arbeitsminister, Hubertus Heil und Karl-Josef Laumann, fordern sie Nachbesserungen bei den Unterstützungsangeboten für Betriebe und Beschäftigte der Gastronomie und Hotellerie.

Dazu die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß: "Ich bin sehr froh darüber, dass die Gastronomie seit der letzten Woche Montag wieder öffnen kann, auch wenn die Regelungen zum Infektionsschutz besonders umfangreich sind. Im Interesse der Restaurants, Gaststätten, Kneipen, Imbisse, Cafés oder Eiscafés hoffe ich sehr, dass sich die Infektionszahlen positiv entwickeln und Schutzmaßnahmen nach und nach nicht mehr erforderlich sind. Die finanziellen Einbußen der letzten beiden Monate waren - wie in anderen Bereichen auch - erheblich! Mir ist bewusst, welche Bedeutung die Branche für das gesellschaftliche Leben bei uns hat und ich wünsche jedem einzelnen Betrieb viel Erfolg und treue Gäste!"

Hier das gemeinsame Schreiben im Wortlaut: „Mit großer Sorge nehmen wir die aktuelle wirtschaftliche Situation in der heimischen Gastronomie und Hotellerie wahr. Die Betriebe dieser Branche, die in unserer Region tendenziell kleinteilig strukturiert ist, konnten auch in guten Zeiten aufgrund der allgemeinen Preis- und Wettbewerbssituation kaum finanzielle Reserven aufbauen. Insofern haben die Betriebe durch die behördlich angeordnete Schließung nachhaltig gelitten. Die bisher bereitgestellte finanzielle Förderung etwa im Rahmen der Soforthilfe hat die Situation zwar abgemildert, gleichwohl stehen inzwischen viele Betriebe mit dem Rücken zur Wand, manche stehen sogar kurz vor der Aufgabe.

Die aktuellen Lockerungen geben Hoffnung. Die Realität zeigt aber, dass bei weitem nicht die Umsätze erzielt werden können und auch auf absehbare Zeit nicht erzielbar sein werden, die für eine wirtschaftliche Betriebsführung zwingend notwendig wären. Die Kunden zeigen verständlicherweise Zurückhaltung, und selbst dort, wo die Gäste kommen, sind die Umsatzmöglichkeiten aufgrund der Abstandsregelungen deutlich reduziert. Hinzu kommt, dass die Umsätze, die nicht realisiert werden konnten, anders als in anderen Branchen nicht nachgeholt werden können.

Die Gastronomie und Hotellerie hat in unseren Städten und Gemeinden neben der Versorgungsfunktion und als Ort für Kommunikation und Entspannung weitere zentrale Funktionen, die im öffentlichen Interesse liegen und für ein gedeihliches Gemeinwesen zwingend notwendig sind. Wir denken dabei an die städtebauliche Bedeutung als belebendes Element in den Städten und Gemeinden und an die Funktion als Versammlungsorte für Vereine, Verbände und ehrenamtlich Tätige.

Wir tun also gut daran, alles zu unternehmen, um den Bestand diese Branche zu sichern und eine Insolvenzwelle zu verhindern. Die Schäden, die dadurch entstehen würden, wären auch auf längere Sicht nicht wiedergutzumachen. Insofern sollten wir alles daran setzen, jetzt kurzfristig Lösungen zu realisieren, die den Betrieben dieser Branche das Überleben ermöglichen können. Notwendig erscheint uns eine zielgerichtete finanzielle Förderung in Form von bedarfsgerechten Zuschüssen, die eine finanzielle Überbrückung zumindest für die nächsten Monate sichern. Eine kreditbasierte Lösung wäre nicht zielführend, weil aufgrund der angespannten Wirtschaftlichkeit in aller Regel die Tilgungsbelastungen auf Dauer kaum tragbar sein dürften.

Jenseits der unmittelbaren finanziellen Hilfen sollte mit Nachdruck geprüft werden, mit welchen Erleichterungen (z. B. steuerlicher und administrativer Art) der Branche dauerhaft geholfen werden kann.

Jetzt ist Mut und Zukunftsorientierung gefordert, denn wenn nicht zügig gehandelt wird, wird die „Reparatur“ der Schäden später ungleich teurer werden.

Wir bitten Sie sehr herzlich darum, unsere Besorgnisse bei Ihren weiteren Überlegungen zu bedenken und möglichst schnell geeignete Lösungen auf den Weg zu bringen. Wir fürchten, dass ansonsten wichtige Strukturen in unseren Städten und Gemeinden, die für das gesellschaftliche Leben und die Aufenthaltsqualität unabdingbar sind, unwiederbringlich verloren gehen. Die kleinteilige, ortsbezogene Gastronomie und Hotellerie als ein zentrales Element des kulturellen Lebens und der regionalen Identifikation gilt es unbedingt zu erhalten.

Wir bitten Sie, darauf hinzuwirken, dass diese Strukturen in unser aller Interesse gesichert werden können.“

Quelle: Kreis Borken