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Dienstag, 21.06.2022

Ausschließlich Befürworter für eine Umwandlung von Ahauser Bekenntnisgrundschulen

Einigkeit während der Informationsveranstaltung in der Stadthalle Ahaus

Sechs der sieben städtischen Grundschulen in Ahaus sind katholische Bekenntnisschulen. Ob dies auch weiterhin so bleiben soll, darüber sollen Anfang des kommenden Jahres wohl die Eltern entscheiden. Eine erste Informationsveranstaltung am 8. Juni 2022 in der Stadthalle Ahaus zu diesem Thema ergab ein eindeutiges Ergebnis. Im Grunde waren sich alle Anwesenden einig, dass eine Umwandlung stattfinden müsse.

Grundschulen in Nordrhein-Westfalen können Gemeinschafts-, Weltanschauungs- oder Bekenntnisschulen sein. Bundesweit gibt es nur noch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Bekenntnisschulen. Alle übrigen Bundesländer kennen ausschließlich nur noch Gemeinschaftsgrundschulen.

In der Vergangenheit ergaben sich auf Grund der Konfessionsbindung im Bereich der katholischen Grundschulen zunehmend häufig Konflikte. Recht einheitlich war deshalb auch die Meinung, dass die Bevorzugung katholisch getaufter Kinder bei der Anmeldung an katholischen Grundschulen nicht mehr zeitgemäß sei und eine zunehmende Ungerechtigkeit darstelle. Die Kritik setzte auch bei der Konfession als verpflichtendes Eignungskriterium für Nachbesetzungen von Schulleitungsstellen und bei allen übrigen Lehrerstellen an. Dabei fehlt es häufig nicht einmal an fachlich geeigneten Kandidatinnen oder Kandidaten. Die Pestalozzischule ist derzeit die einzige Gemeinschaftsgrundschule im Stadtgebiet.

Wie Annika Groh vom Fachbereich Bildung, Kultur und Sport berichtete, sind 64 Prozent aller Schüler in den Ahauser Grundschulen derzeit katholisch. Der Anteil sinke jedoch seit Jahren stetig. Dabei sollten Schulen immer auch ein Abbild einer Stadtgesellschaft sein.

Die Verwaltung beschäftigt sich zurzeit intensiv mit der Aufstellung einer neuen Schulentwicklungsplanung für die Primarstufe und möchte in diesem Rahmen gleichzeitig mit überprüfen, ob die Stadt Ahaus als Schulträger eine Umwandlung der sechs Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen initiieren soll. Das Verfahren kann wahlweise für jede Grundschule einzeln von den jeweiligen Eltern oder für alle Bekenntnisschulen gemeinsam und zeitgleich vom Schulträger angestoßen werden.

Auf Einladung der Stadt kamen in der letzten Woche die Schulleitungen und Schulpflegschaftsvorsitzenden der Ahauser Grundschulen, Vertreter der Fraktionen im Rat und Pfarrer Stefan Jürgens für die drei katholischen Pfarrgemeinden in Ahaus zu einem ersten Informationsaustausch in der Stadthalle zusammen. Hierbei ging es neben der Information auch um die Gewinnung eines Stimmungsbildes unter den Betroffenen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tilmann Bieber, Schulentwicklungsplaner von der GEBIT Münster, einem sozialwissenschaftlichen Beratungsunternehmen, welches bereits seit vielen Jahren für die Stadt Ahaus arbeitet. Er informierte zunächst in seinem Fachvortrag über die aktuelle Situation in den Grundschulen, den zunehmenden damit verbundenen Schwierigkeiten im Schulalltag und zeigte mögliche Lösungswege auf. 

Beigeordneter Werner Leuker stellte zu Beginn heraus: „Wir möchten die Konfession aus den Grundschulen keineswegs verbannen. Ganz im Gegenteil. Die gehört sehr prägend zu unserer münsterländischen Tradition und sie soll auch unbedingt weiterhin Teil von Schule sein. Es soll und wird weiterhin katholischen Religionsunterricht geben – unverändert. Es sind weiterhin Schulgottesdienste möglich und ausdrücklich auch gewünscht. Katholisch geprägte Feste wie Ostern, Weihnachten, Pfingsten oder auch die Erstkommunion gehören auch zukünftig zum Schulleben. Eine Umwandlung der Schulart von der heutigen Bekenntnis- in eine Gemeinschaftsschule schafft nichts ab, gibt uns aber wichtige Möglichkeiten für eine aus unserer Sicht gerechtere Schulaufnahme und für eine ohnehin schon nicht leichte Besetzung von Schulleitungs- und Lehrerstellen an Grundschulen.“

Schulleiterin Christina Rosen von der Josefschule, der größten Grundschule in Ahaus mit einem Teilstandort in Graes schilderte die Auswirkungen in ihrem Schulalltag und warb ebenfalls für eine Umwandlung. „Bei einem Überhang an Schulanmeldungen müssen wir bislang die katholischen Kinder bevorzugen, diese bekommen also vorrangig einen Platz. Dies kann zur Folge haben, dass ein nicht-katholisches Kind, welches in direkter Nähe zur Wunschschule wohnt, gegebenenfalls abgelehnt werden muss und dadurch einen weiteren Schulweg außerhalb des sozialen Umfelds auf sich nehmen muss. Durch den Entfall der konfessionellen Bindung der Lehrkräfte könnten vor allem Stellen in der Schulleitung einfacher besetzt werden. Bislang darf sich auf die Stelle der Rektorin bzw. des Rektors keine nicht-katholische Person bewerben, auf die der stellvertretenden Schulleitung darf dies nur in Ausnahmefällen geschehen.“

Für die Elternpflegschaften der Schulen in Ahaus sprach sich auch Klaus Thesing im Namen der Schulpflegschaften deutlich für die Initiierung eines Umwandlungsprozesses aus. „Wir haben das Thema bei unserem letzten Treffen der Ahauser Schulpflegschaft am 27.10.2021 intensiv diskutiert und abschließend einstimmig darüber befunden, dass die Stadtverwaltung dieses prüfen und auf den Weg bringen solle.“

Große Aufmerksamkeit gab es dann, als Tilmann Bieber das Wort an Pfarrer Stefan Jürgens übergab. Er spannte den Bogen von den Ursprüngen des Schulwesens, die sehr eng mit der Kirche verknüpft waren, bis zur heutigen Zeit mit einer Stadt- und Dorfgesellschaft, die sich durch Migration, Integration und starke Veränderungen auch in der katholischen Kirche sehr gewandelt habe. „Als Kirche verlieren wir nichts, wenn es in Zukunft Gemeinschaftsgrundschulen gibt. Ganz im Gegenteil: Wir reagieren auf eine vielfältige und differenzierte Gesellschaft, in der das Christentum nicht durch Tradition und Autorität, sondern durch Argumente und Offenheit zeigen kann, was in ihm steckt. Deshalb geben wir für die Gemeinschaftsgrundschulen grünes Licht.“ Pfarrer Jürgens sieht in der Umwandlung eine Chance, der gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklung Rechnung zu tragen und die Vielfalt auch und gerade im Bildungswesen zu fördern. Deshalb könne und wolle die katholische Kirche einer Entscheidung der Eltern über die zukünftige Schulart auch unterstützen.

Ob die Grundschulen am Ende tatsächlich zu Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt werden, hängt ganz allein vom Abstimmungsverhalten der Eltern ab. Für eine erfolgreiche Umwandlung müssten sich am Ende mehr als die Hälfe der Eltern einer Schule in einem Abstimmungsverfahren für eine Umwandlung aussprechen.

Die Verwaltung wird nun zunächst die erforderlichen vorbereitenden Beschlüsse der Gremien im Herbst vorbereiten. Beatrix Wantia, Vorsitzende des Schul- und Sportausschusses, wies darauf hin, dass möglicherweise nicht alle Eltern eine Umwandlung mittragen werden. Sie wünschte sich deshalb eine möglichst hohe Elternbeteiligung, damit das Ergebnis robust und breit getragen sei. Sie sei sich aber sehr sicher, dass der Ausschuss und auch der Rat vor dem Hintergrund der wachsenden Einschränkungen und Schwierigkeiten eine Elternentscheidung initiieren würden. Sobald diese im Herbst vorliege, wird die Verwaltung die Schulgremien der Grundschulen gemeinsam mit den zuständigen katholischen Pfarrgemeinden informieren. Die Abstimmungsverfahren könnten dann voraussichtlich im Frühjahr 2023 erfolgen.

Grundschule (Symbolbild)