Stadtklimaanalyse Ahaus
Wo Ahaus heute schon unter Hitze leidet – und was jetzt wichtig ist
Der Klimawandel ist schon jetzt für uns in Ahaus spürbar. In der Zukunft werden die Auswirkungen noch deutlicher. Hier zeigen wir, was uns erwartet, und wie wir uns vor Hitze schützen können.
WARUM KLIMAANPASSUNG FÜR AHAUS WICHTIG IST
Ahaus verändert sich. Heiße Tage werden häufiger, Sommernächte wärmer und versiegelte Stadtbereiche speichern Hitze besonders stark. Die Stadtklimaanalyse zeigt, wo Ahaus heute bereits belastet ist, welche Freiräume für Kühlung und Frischluft besonders wichtig sind und wie sich die Situation in Zukunft weiter verschärfen kann. Sie liefert damit eine fachliche Grundlage für eine klimaangepasste Stadtentwicklung in Ahaus.
Klimaanpassung ist in Ahaus kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern eine aktuelle Aufgabe. Die Kernstadt ist durch hohe Versiegelung, eingeschränkte Versickerung und konzentrierte Nutzungen besonders hitzeanfällig. Gleichzeitig leben und arbeiten hier viele Menschen, darunter besonders empfindliche Gruppen. Ziel muss es sein, gute bioklimatische
Verhältnisse zu sichern, Belastungen zu mindern und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

1991-2020 lag die mittlere Lufttemperatur bei 10,3 °C, der Jahresniederschlag bei 836 mm. Im Mittel gab es 36 Sommertage und 8 Heiße Tage pro Jahr
Ergebnisse einfach erklärt
Auf dieser Webseite sollen die wichtigsten Erkenntnisse der Stadtplanung einfach und verständlich dargestellt werden.
Im ersten Teil geht es um das Ziel und die Methodik hinter der Stadtklimaanalyse.
Im zweiten Teil werden die Ergebnisse vorgestellt.
Im dritten Teil wird kurz erklärt, wie nun mit den Ergebnissen gearbeitet wird, und wie Sie sich und ihr Umfeld vor Hitze schützen können.
Vielen Dank, für Ihr Interesse an der Stadtklimaanalyse. Je mehr Menschen daran mitarbeiten Ahaus klimafest zu machen, desto angenehmer bleibt das Stadtklima in Ahaus auch in der Zukunft.
Ziel und Methodik
Ziel der Stadtklimaanalyse
Die Stadtklimaanalyse ist eine Maßnahme des im Jahr 2022 beschlossenen Klimaschutzkonzeptes und dient als planerische Grundlage zur Verbesserung zukünftiger Planungen. Sie untersucht, wo sich Ahaus besonders stark aufheizt, wo kühlere Luft entsteht und auf welchen Wegen diese in den Siedlungsraum gelangt. Auf dieser Basis lassen sich gezielte Schutz-, Sicherungs- und Entwicklungsmaßnahmen ableiten. Neben der Analyse der aktuellen Situation werden auch zwei Zukunftsszenarien betrachtet, sodass eine fundierte Grundlage für eine klimaangepasste Planung entsteht – von der Freiraumsicherung über den Stadtumbau bis hin zur Fortschreibung des Flächennutzungsplans.
Die Leitfrage lautet:
Wo braucht Ahaus Schutz vor Hitze – und welche Flächen müssen dafür erhalten oder qualifiziert werden?
Methodik leicht erklärt
Für Ahaus wurde das hochaufgelöste Stadtklimamodell FITNAH-3D verwendet. Damit lassen sich Temperaturfelder, Wärmebelastung und Kaltluftprozesse flächenhaft berechnen. Simuliert wurden die heutige Situation sowie zwei Zukunftsszenarien: P1 für die nahe Zukunft und P2 für die ferne Zukunft. Ziel ist keine Wettervorhersage für einzelne
Tage, sondern eine belastbare räumliche Einschätzung, wo Hitze- und Frischluftthemen für die Stadtentwicklung besonders relevant sind.
Gesundheitsschutz ist ein Schlüsselthema
Die Sensitivitätsanalyse macht deutlich, dass Hitze besonders dort relevant ist, wo empfindliche Bevölkerungsgruppen
leben oder wichtige soziale Einrichtungen liegen.
Die Modelle zeigen nicht das Wetter von morgen, sondern die klimatischen Stärken und Schwächen der Stadt.
Entwicklung der Stadtklimaanalyse

Klima heute und morgen
Ahaus hat sich bereits deutlich erwärmt. Seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen ist die mittlere Lufttemperatur um 1,6 °C gestiegen; gegenüber 1971–2000 sind es bereits 0,5 °C. Die Zahl der Sommertage ist von 29 auf 36 pro Jahr angestiegen, die Zahl der Heißen Tage ist um etwa ein Drittel gestiegen. Für die Zukunft zeigen die Projektionen weiter steigende Temperaturen, mehr Tropennächte und längere Hitzeperioden. Die Warming-Stripes zeigen eindrucksvoll die
Temperaturveränderung in der Region ab dem Jahr 1881 bis zum Jahr 2025.
Aus wenigen heißen Tagen werden viele – und aus warmen Nächten zunehmend belastende Nächte.

Klimadaten im Vergleich: Ahaus in der Vergangenheit, heute und in Zukunft

Klimazwilling
Die Temperaturen in Ahaus steigen deutlich; unter einem Szenario mit geringen Klimaschutzmaßnahmen (RCP 8.5) könnte die Jahresmitteltemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um fast 3 °C zunehmen. Damit wären klimatische Bedingungen wie im heutigen Penne (Abruzzen,Italien) zu erwarten, auf die Bevölkerung, Infrastruktur und Natur in Ahaus
bislang nicht ausreichend vorbereitet sind.
Heute wird das Szenario RCP 8.5 nicht mehr als plausibel angesehen.

HITZE AM TAG UND IN DER NACHT
Hitzebelastung in der Nacht
Nachts zeigt sich die städtische Wärmeinsel besonders deutlich. In der heutigen Situation reicht die bodennahe nächtliche Lufttemperatur in Ahaus von etwa 12,2 °C in siedlungsfernen Freiflächen bis 19,8 °C in hochversiegelten Bereichen. Besonders belastet sind der Bereich um den Ahauser Markt sowie weitere dicht bebaute und gewerblich geprägte Räume.
Entlastung entsteht dort, wo Kaltluft aus Grün- und Freiflächen in den Siedlungsraum einströmen kann. Gerade deshalb sind Kaltluftleitbahnen und angrenzende Freiräume für Ahaus so wertvoll.
Kaltluftleitbahn:
Verbindet kühlere Freiräume mit belasteten Siedlungsbereichen und hilft nachts bei der Frischluftversorgung.
Gut zu wissen: Als Orientierung für erholsamen Schlaf gelten etwa 16 bis 19°C im Schlafzimmer.
Wo Ahaus in der Nacht besonders heiß wird




Hitzebelastung am Tag
Für die Tagsituation wurde die PET verwendet, also ein Index für die gefühlte Wärmebelastung im Freien. Bereits heute liegt das Untersuchungsgebiet im Mittel bei 35,3 °C und damit im Übergang zu einer starken Wärmebelastung. Besonders belastet sind hochversiegelte, baumlose und windarme Bereiche der Innenstadt. Deutlich günstiger sind dagegen Wälder,
größere Parkflächen und schattige Grünräume. Krefters Busch, Stadtpark und Schlosspark gehören zu den klimatisch wertvollen Entlastungsräumen.
PET (Physiologisch Äquivalente Temperatur)
Beschreibt die gefühlte Wärmebelastung im Freien – also nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch Sonne, Wind und Luftfeuchte.
Grün- und Freiflächen sind zentrale Kühl- und Ausgleichsräume. Sie verbessern Aufenthaltsqualität und Frischluftversorgung.
Wo Ahaus Tagsüber besonders heiß wird




Anpassungs und Schutzbedarfe
WAS DAS FÜR DIE PLANUNG BEDEUTET
Die Planungshinweiskarte übersetzt die Klimadaten in Handlungsräume. Ein Teil der Siedlungsflächen fällt bereits heute in
Bereiche mit sehr hohem oder hohem Anpassungsbedarf. Besonders gravierende Belastungen zeigen sich im stark versiegelten Innenstadtbereich wie beispielsweise am Marktplatz sowie auf größeren Gewerbeflächen wie dem Gewerbegebiet Ahaus-Ost.
Gleichzeitig gibt es Grün- und Freiflächen mit hohem bis sehr hohem Schutzbedarf, weil sie Kaltluft liefern, Leitbahnen speisen oder als bioklimatische Ausgleichsräume wirken. Besonders wichtig ist, diese Funktionen bei Neubau und Nachverdichtung nicht zu verschlechtern.
Schutzbedarf
Die größten Probleme liegen in überwärmten, versiegelten und schlecht durchlüfteten Siedlungsbereichen. Sehr hoher Schutzbedarf besteht unter anderem für kaltluftbringende Flächen aus südwestlicher Richtung sowie für das Wäldchen am Krefters Busch; hoher Schutzbedarf betrifft nahezu alle Waldgebiete, im Zentrum unter anderem Stadtpark und Schlosspark.
Die Planungshinweiskarte zeigt, wo in Ahaus Schutz, Sicherung oder Aufwertung aus klimatischer Sicht besonders wichtig sind.


Beispiel Wallstraße
Welche Wirkung Entsiegelungsmaßnahmen entfalten können, zeigt sich an der Wallstraße im Zentrum von Ahaus. Dort wird nach den Umbaumaßnahmen die Kaltluftproduktion stellenweise deutlich ansteigen, da durch die Entsiegelung stark verdichteter Bereiche neue Freiflächen entstehen, über denen sich Kaltluft bildet, die in die angrenzenden, überwärmten Bereiche einströmt und für Abkühlung sorgt
Anpassungs- und Schutzbedarfe in den einzelnen Ortsteilen







HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Am wichtigsten sind Stadtbäume, Entsiegelung, Sicherung von Frischluftschneisen und Kaltlufteinzugsgebieten, Dach- und Fassadenbegrünung sowie klimaangepasste Bauweisen. Für belastete Entwicklungsflächen gilt: Verschlechterungen im Umfeld sind zu vermeiden; vielfach ist ein planerisches Klimaanpassungskonzept erforderlich. Für Wohnquartiere und den Alltag der Menschen sind verschattete Aufenthaltsbereiche, Begrünung, Regenwasserrückhalt, helle Oberflächen, Nachtlüftung und Schwammstadt-Elemente besonders wirksam.
KLIMAANPASSUNG AM GEBÄUDE, IM HOF UND AUF DEM PRIVATGRUNDSTÜCK
Außenbereiche hitzefest gestalten
• Innen- und Hinterhofbegrünung:
Mehr Pflanzen und Grün im eigenen Hof verbessern die Regenwasserversickerung, kühlen im Sommer durch Verdunstung, spenden Schatten und erhöhen die Aufenthaltsqualität.
• Oberflächen klimaoptimiert gestalten:
Helle Materialien auf Dächern, Fassaden und Freiflächen sorgen dafür, dass es sich im Sommer weniger aufheizt
• Entsiegelung im privaten Umfeld:
Weniger Pflaster und Asphalt, mehr Grün im Garten: Das hält es kühler und hilft, Regenwasser im Boden zu speichern.
• Regenwasser speichern und versickern:
Wasserdurchlässige Beläge, Mulden, unterirdische Versickerungsanlagen und Regenwassertanks helfen, Regenwasser besser zu nutzen - das fördert die Verdunstung, dient der Bewässerung und entlastet bei Starkregen.
Gebäudebegrünung und Verschattung:
• Dachbegrünung:
Gründächer kühlen, dämmen, halten Regenwasser zurück und verbessern bei großflächiger Verbreitung das Umgebungsklima.
• Fassadenbegrünung:
Begrünte Fassaden verbessern das Klima im und vor dem Gebäude, bieten Lebensraum für Tiere/ Pflanzen und schützen
die Gebäudeoberfläche.
• Gebäude verschatten:
Bäume, Rankpflanzen und außenliegender Sonnenschutz halten Sonne ab und verringern die Aufheizung von Gebäuden.
Innenräume anpassen
• Energetisch sanieren und klimagerecht kühlen:
Gute Dämmung, passende Lüftung und helle Oberflächen sparen Energie und halten Gebäude im Sommer kühler.
• Technische Gebäudekühlung:
Wo einfache Maßnahmen nicht reichen, helfen umweltfreundliche Kühlsysteme, die beispielsweise mit Regenwasser kühlen oder die natürliche Erdkühle nutzen.
• Raumnutzung hitzeangepasst organisieren:
Hitzeempfindliche Räume (z.B. Schlaf- oder Arbeitszimmer) sollten nicht nach Süden ausgerichtet werden, damit sie sich tagsüber weniger stark aufheizen.
Hinweis: Besonders wirksam ist die Kombination aus Entsiegelung, Begrünung, Verschattung und Regenwassermanagement.
KLIMAANPASSUNG IN PLANUNG, ÖFFENTLICHEM RAUM UND INFRASTRUKTUR
Öffentlicher Freiraum & Aufenthalt
• Öffentliche Grünräume schaffen:
Kleine Parks und begrünte Freiräume im Wohn- und Arbeitsumfeld fördern Erholung, Verdunstungskühlung und Vernetzung.
• Verkehrsräume klimaangepasst umgestalten:
Straßen, Plätze und Parkflächen mit Bäumen, Begleitgrün, Entsiegelung und Wasserangeboten klimaresilient entwickeln.
• Aufenthaltsbereiche im Freien verschatten:
Bäume, Sonnensegel, Überdachungen und schattige Möblierung verringern Hitzebelastung in öffentlichen Räumen.
• Öffentliche Grünflächen entwickeln und optimieren:
Wiesen, Bäume, Pflanzungen und Wasserflächen vielfältig weiterentwickeln und mikroklimatisch wirksam gestalten.
• Parks, Grün- und Waldflächen schützen:
Bestehende Freiräume als Kaltluft- und Erholungsräume sichern; sie stärken zugleich Biodiversität und Wasserhaushalt.
• Wasserflächen schützen, erweitern und anlegen:
Gewässer, Brunnen und Wasserspiele verbessern in Hitzeperioden das Umfeldklima und die Aufenthaltsqualität.
• Öffentliche Räume saisonal umgestalten:
Temporäres Grün auf stark versiegelten Plätzen schafft Klimaoasen und macht Klimaanpassung sichtbar und erlebbar.
Planung, Bauleitplanung & Durchlüftung
• Luftaustausch fördern & Durchlüftung sichern:
Gebäudestellungen, Durchgänge und aufgelockerte Strukturen unterstützen den lokalen Luftaustausch in Wohngebieten.
• Kaltluftrelevante Flächen schützen und vernetzen:
Wiesen, Felder, Parklandschaften und Kleingärten als Kaltluftentstehungs- und Austauschflächen sichern und funktional verbinden.
Schwammstadt: Regenwasser wird vor Ort gespeichert, versickert oder verdunstet – das hilft sowohl gegen Hitze als auch bei Starkregen.
MÖGLICHE MASSNAHMEN UND IHRE WIRKUNG

Wo kann ich sehen wie sich das Stadtklima an meinem Haus entwickelt?
In der Webanwendung des Kreis Borken können Sie ihre Adresse eingeben und sich selbst ein Bild von der Situation in Ihrer Umgebung machen. Rote und lila Farben bedeuten, dass ein hoher / sehr hoher Bedarf an Klimaanpassungsmaßnahmen vorliegt, orange gelbe und blaue Farben bedeuten einen geringeren Bedarf. Grünflächen sind je nach ihrer Schutzwürdigkeit unterschiedlich gefärbt.
Wenn Sie Fragen oder Unsicherheiten wegen Ihrer Situation haben, scheuen Sie sich nicht die Stabsstelle Klimaschutz zu kontaktieren!
Warum wurde das Szenario RCP 8.5 gewählt?
In einem Schritt der Modellierung der Klimaparameter, der für die Berechnung der Bewertungs- und Planungshinweiskarten notwendig ist, wurde das Klimawandelszenario RCP 8.5 verwendet.
Das Szenario wurde inzwischen als unplausibel eingestuft.
Zur Zeit der Berechnung der Stadtklimaanalyse war RCP 8.5 als Berechnungsgrundlage Stand der Technik.
Ein anderes Szenario hat nur geringfügige Auswirkungen auf die hier dargestellten Karten. Insbesondere in den Karten mit Prognosen über die ferne Zukunft (P2-Szenario) wären die Auswirkungen etwas weniger dramatisch als hier dargestellt.
Kritik, Fragen und Anregungen zur Stadtklimaanalyse
Die Stadtklimaanalyse wird für einen Teil der Abwägung in der Bauleitplanung verwendet. Außerdem können Prioritäten für Gebiete mit besonders hohem Anpassungsbedarf festgelegt werden.
Die Stadtklimaanalyse hat jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen auf einzelne Bürger*innen oder Grundstücke in Ahaus.