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14. August 2026

Im Interview: Florian Tschirpke, Leiter des Fachbereichs Jugend in Ahaus

100 Tage im Amt

Florian Tschirpke
Florian Tschirpke
© Stadt Ahaus - Stefan Hilbring

Seit Anfang Mai leitet Florian Tschirpke den Fachbereich Jugend der Stadt Ahaus. Inzwischen ist er also etwas mehr als 100 Tage im Amt – Zeit für eine erste Bilanz. Im Interview blickt der 44-Jährige auf sein Ankommen im Rathaus-Team zurück, spricht über zentrale Zukunftsthemen wie die Jugendbeteiligung und die Digitalisierung und darüber, welche Themen er in den kommenden Monaten für Kinder, Jugendliche und Familien in Ahaus weiter voranbringen möchte.

Herr Tschirpke, die ersten 100 Tage vergehen meist wie im Flug. Wie haben Sie Ihre ersten Wochen und Monate im Fachbereich Jugend der Stadt Ahaus erlebt?

Tatsächlich sind die ersten 100 Tage sehr schnell vergangen. Die Zeit war geprägt von vielen neuen Eindrücken, zahlreichen persönlichen Begegnungen und vor allem vom Kennenlernen der Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig galt es, mich in die Strukturen und Abläufe der Stadtverwaltung einzuarbeiten und herauszufinden, wer für welche Themen der richtige Ansprechpartner ist. Es waren intensive, aber sehr abwechslungsreiche erste Monate, in denen ich bereits vieles Neues kennenlernen durfte.

Bei Ihrem Start im Mai haben Sie sich besonders darauf gefreut, die neuen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen. Wie war das Ankommen im Team und was hat besonders Eindruck bei Ihnen hinterlassen?

Mein Start war sehr herzlich. Gleich am ersten Tag gab es eine größere Runde, in der ich viele Kolleginnen und Kollegen kennenlernen konnte. Besonders positiv war das große Interesse und die Neugier, mit der mir begegnet wurde. In den ersten Wochen hatte ich außerdem die Gelegenheit, die Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie die vier städtischen Kindertageseinrichtungen kennenzulernen.

Was mir dabei besonders aufgefallen ist: In Ahaus scheint sich tatsächlich jeder zu kennen. Der Zusammenhalt unter den Kolleginnen und Kollegen ist sehr eng, und man merkt, dass viele Menschen bereits seit Jahren gut zusammenarbeiten.

Die Stadt Ahaus setzt zum Beispiel mit dem Kinder- und Jugendförderplan 2026–2030 sowie der Spielraumplanung klare Leitlinien für die kommenden Jahre. Welche Schwerpunkte und Aufgaben standen in Ihren ersten 100 Tagen ganz oben auf der Agenda?

Zunächst stand für mich ganz klar das Kennenlernen im Mittelpunkt: der Angebote, der unterschiedlichen Träger und Anbieter und vor allem der Menschen, die sich in Ahaus mit viel Engagement für Kinder, Jugendliche und Familien einsetzen.

Daneben ging es natürlich darum, mich in die Strukturen und Abläufe der Stadtverwaltung einzuarbeiten und gemeinsam mit dem Team neue Besprechungs- und Austauschstrukturen zu etablieren. Gleichzeitig habe ich mich in neue Themengebiete eingearbeitet, beispielsweise in den Bereich der Kindertagesbetreuung. Die ersten 100 Tage waren deshalb vor allem davon geprägt, zuzuhören, Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen erste Schwerpunkte für die weitere Arbeit zu entwickeln.

Sie bringen umfassende Erfahrung aus den Sozialen Diensten und dem Kinderschutz mit. Welche Akzente möchten Sie besonders setzen?

Mein fachlicher Schwerpunkt liegt sicherlich im Kinderschutz und in der Beratung von Familien. Hier wird in Ahaus bereits sehr gute Arbeit geleistet, und die Entwicklung der vergangenen Jahre ist positiv.

Gleichzeitig möchte ich gemeinsam mit dem Team immer wieder unsere Prozesse betrachten und prüfen, wo wir noch besser oder effizienter werden können. Das gilt für die fachliche Arbeit ebenso wie für den Umgang mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Ein wichtiges Ziel ist für mich außerdem, die Jugendhilfeplanung weiterzuentwickeln, damit wir noch genauer wissen, welche Bedarfe Kinder, Jugendliche und Familien in Ahaus tatsächlich haben.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen hat in Ahaus Tradition, etwa durch Formate wie die „Ideenschmiede Rathaus“ oder digitale Umfragen. Wie wichtig ist Ihnen das direkte Mitreden der jungen Generation?

Das ist mir sehr wichtig. Ich hatte bereits die Gelegenheit, mir die „Ideenschmiede Rathaus“ anzuschauen, und war beeindruckt davon, mit wie viel Engagement und welchen konkreten Ideen sich die Jugendlichen dort eingebracht haben. Das hat für mich noch einmal sehr deutlich gemacht, wie wichtig es ist, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Interessen und Vorstellungen einzubringen.

Angebote für Kinder und Jugendliche können aus meiner Sicht nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn wir mit den jungen Menschen sprechen und sie an der Gestaltung beteiligen. Schließlich sind sie diejenigen, die diese Angebote später nutzen sollen.

Das gilt aber nicht nur für die offene Kinder- und Jugendarbeit. Auch bei Hilfen für Familien oder im Kinderschutz ist es entscheidend, die Kinder und Jugendlichen einzubeziehen, die von einer Maßnahme unmittelbar betroffen sind. Kinder und Jugendliche werden aus meiner Sicht manchmal unterschätzt, wenn es darum geht, welchen Einfluss ihre Beteiligung auf den Erfolg einer Hilfe haben kann. Ihre Perspektive ist deshalb ein wichtiger Bestandteil guter Jugendhilfe.

Ahaus arbeitet auch interkommunal eng zusammen: Wie erleben Sie diese Vernetzung in der Region und die Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten wie den städtischen Spielplatzpatinnen und -paten?

Die interkommunale Zusammenarbeit gehört für uns ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Viele Angebote und Leistungen werden mit anderen Kommunen abgestimmt. Dadurch können wir Ressourcen sinnvoll nutzen und gleichzeitig möglichst einheitliche und gute Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger anbieten.

Ein gutes Beispiel ist die kreisweit abgestimmte Regelung bei den Elternbeiträgen für Kindertageseinrichtungen. Gerade bei Themen, die mehrere Kommunen betreffen, ist es sinnvoll, voneinander zu lernen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Genauso wichtig ist für mich aber das Engagement der Menschen vor Ort. Ehrenamtliche wie die Spielplatzpatinnen und -paten leisten einen wertvollen Beitrag und bringen eine Perspektive ein, die Verwaltung allein nicht ersetzen kann.

Ahaus versteht sich als moderne, smarte und bürgernahe Stadt. Wo sehen Sie im Jugend- und Familienbereich Potenzial, Abläufe noch unkomplizierter oder vielleicht auch digitaler für die Ahauser Familien zu gestalten?

Ich sehe vor allem beim Zugang zu Informationen und Angeboten noch Potenzial. In Ahaus gibt es bereits sehr viele gute Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien. Die Herausforderung besteht darin, dass diese Angebote auch tatsächlich bei den Menschen ankommen, die sie benötigen.

Deshalb sollten wir stärker darauf schauen, wie Familien möglichst unkompliziert und niedrigschwellig Informationen finden können. Digitale Zugangswege können dabei eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig darf Digitalisierung aber nicht bedeuten, dass persönliche Beratung weniger wichtig wird. Ziel sollte vielmehr sein, digitale Möglichkeiten dort einzusetzen, wo sie den Zugang erleichtern, und gleichzeitig persönliche Ansprechpartner weiterhin gut erreichbar zu halten.

Im Mai kannten Sie Ahaus vor allem aus privaten Besuchen und von Stadtführungen. Hat sich Ihr Blick auf die Stadt in den letzten drei Monaten verändert?

Ja, auf jeden Fall. Ich erlebe Ahaus heute noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive und habe die Stadt in den vergangenen Monaten deutlich intensiver kennengelernt. Ahaus ist aus meiner Sicht eine sehr lebenswerte Stadt, in der man gut leben kann.

Neben den vielen Kindertageseinrichtungen und Schulen ist die Stadt auch wirtschaftlich durch attraktive Unternehmen gut aufgestellt. Dazu kommen die guten Fahrradwege und die vielen Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche. Was mich ebenfalls beeindruckt, ist die Dichte an Veranstaltungen in der Innenstadt. Es ist wirklich viel los in Ahaus.

Welches konkrete Projekt oder Thema möchten Sie gemeinsam mit Ihrem Team in den kommenden Monaten als Nächstes anpacken und was steht langfristig auf Ihrer Agenda?

In Ahaus gibt es bereits viele gute Angebote für Familien. In den kommenden Monaten möchten wir diese noch sichtbarer und leichter zugänglich machen. Dazu gehört auch, die digitalen Zugangswege zu verbessern und Hürden abzubauen. Langfristig möchte ich gemeinsam mit dem Team und unseren Partnern die Bedarfe von Kindern, Jugendlichen und Familien noch besser erkennen und die Angebote gezielt weiterentwickeln.

Haben Sie schon einen persönlichen Lieblingsplatz in Ahaus für die Mittagspause entdeckt?

Ja, der Schlosspark. Wenn es die Zeit zulässt, ist das ein schöner Ort, um kurz durchzuatmen und den Kopf freizubekommen.

Und was hilft nach einem intensiven Arbeitstag im Jugendamt am besten zum Abschalten?

Musik oder ein guter Podcast auf dem Heimweg. Das ist für mich eine gute Möglichkeit, nach einem intensiven Arbeitstag langsam abzuschalten und den Kopf wieder frei zu bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tschirpke, und weiterhin viel Erfolg sowie Freude bei Ihren Aufgaben für die Kinder, Jugendlichen und Familien in Ahaus.